Definition Rechen­schwäche

Rechenschwäche beschreibt die Beeinträchtigung, nicht über ausreichende Kompetenzen im Bereich Alltagsmathematik zu verfügen. Alternativ zu Rechenschwäche sind auch die Begriffe Dyskalkulie und Rechenstörung gebräuchlich.

Rechenschwäche zeigt sich in Form von verschiedensten Einschränkungen, die den Betroffenen den Umgang mit Zahlen im Alltag erschweren. Oftmals haben Betroffene bereits ab dem Kindsalter Mühe, unterschiedliche Dinge nach ihren Eigenschaften zu gruppieren oder zu ordnen (z.B. Ordnen von Gegenständen nach Gewicht oder Grösse). Anstatt mit Rechenoperationen zu arbeiten, werden mathematische Zusammenhänge auswendig gelernt. Zahlenreihen werden häufig als Folge von Wörtern aufgefasst. Den Betroffenen bereitet es daher Probleme, die wertmässige Bedeutung einer Zahl zu verstehen und/oder logische mathematische Zusammenhänge zu erkennen. Eine besondere Schwierigkeit besteht darin, erlernte numerische Konzepte auf alltägliche Problemstellungen anwenden zu können.

Wie aus der Fachliteratur hervorgeht, kann die Rechenschwäche auf drei Ebenen beobachtet werden:

  • Es fehlt das Verständnis der unterschiedlichen Mächtigkeit von Zahlen, des Aufbaus des Zahlensystems und der Logik von Rechenoperationen.
  • Rechenaufgaben werden nicht über Rechenoperationen gelöst, stattdessen werden ‘Ersatzprozeduren’ (etwa mithilfe der Finger oder Zählhilfen) angewendet. Der Lösungsweg wird dadurch fehleranfällig und/oder es muss mehr Zeit dafür aufgewendet werden.
  • Es drohen sekundäre Auswirkungen, wie etwa eine Beeinträchtigung des Selbstvertrauens oder eine erschwerte gesellschaftliche Integration.

Mit Rechenschwäche sind oft Schwierigkeiten verbunden, den Anforderungen im Alltag (Einkaufen, Zahlungen tätigen, Distanzen einschätzen etc.) oder dem Berufsleben (Listen und Rechnungen kontrollieren, Tabellenkalkulation, etc.) genügen zu können bzw. ist dazu meist ein grosser Zusatzaufwand erforderlich. Fehlende Rechenfertigkeiten erschweren somit die Teilnahme am gesellschaftlichen, kulturellen, politischen und/oder wirtschaftlichen Leben.

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Literaturhinweise:

European Association for the Education of the Adults. 2018. The life skills approach in Europe, abrufbar unter: PDF-Dokument

Ise, Elena und Gerd Schulte-Körne. 2013. Symptomatik, Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie 41(4):271–282. DOI: https://doi.org/10.1024/1422-4917/a000241.

Notter, Philipp, Claudia Arnold, Emanuel von Erlach, und Philippe Hertig. 2006. Lesen und Rechnen im Alltag: Grundkompetenzen von Erwachsenen in der SchweizNeuchâtel: Bundesamt für Statistik.

OECD. 2005. Definition und Auswahl von Schlüsselkompetenzen, abrufbar unter: PDF-Dokument

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